Schildi-Ranch

Testudo (lat: Schildkröte / auch: "eigentliche Schildkröte") ist eine Gattung der Halsberger-Schildkröten. Das Verbreitungsgebiet dieser kleinen bis mittelgroßen Landschildkröten erstreckt sich vom Süden Europas über das westliche Asien bis nach Nordafrika. Die Verwandtschaftsbeziehungen innerhalb der Gattungen sind noch nicht ausreichend erforscht.

Die Halsberger-Schildkröten sind eine Unterordnung der Schildkröten. Sie leben in fast allen Erdteilen. In Nord-, Mittel- und Südamerika gibt es nur wenige, in Australien und der Antarktis gibt es überhaupt keine. Sie entwickelten sich vor 180 Mio., in der Jura - Zeit.

Die "eigentlichen Landschildkröten" sind die am stärksten angepasste Familie der Schildkröten. Zu den Gattungen der Testudo gehören neben anderen die

  • Maurische Landschildkröte (Testudo graeca)
  • Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni)
  • Vierzehenschildkröte (Testudo horsfieldii)
  • Ägyptische Landschildkröte (Testudo kleinmanni)
  • die Breitrandschildkröte (Testudo marginata).

Jede der zu dieser Gattung gehörenden Schildkröten sind regional bedroht. Dazu trägt die Lebensraumvernichtung sowie auch der Fang für den Tierhandel bei. Das gilt insbesondere für die Ägyptische Landschildkröte (Testudo kleinmanni). Sie ist die kleinste Vertreterin der Gattung Testudo und in ihrem Bestand hochgradig gefährdet. In ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet, Israel, Ägypten und Libyen, existieren nur noch inselartige Vorkommen, so dass ohne umfassende Schutzprogramme ein komplettes Aussterben der Art zu befürchten ist. Sie wird von der Weltnaturschutzunion als gefährdet eingestuft.

Gefährdet ist inwischen auch die Vierzehenschildkröte/Russische Landschildkröte (Testudo horsfieldii). Seit Beginn der 90er Jahre werden in Kasachstan jährlich über 150.000 Tiere gefangen und in den Handel gebracht.

In Südeuropa leben die Maurische Landschildkröte (Testudo graeca), die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) und die Breitrandschildkröte (Testudo marginata). Die Breitrandschildkröte ist die größte der fünf Landschildkrötenarten.

Das Stockmaß des Rückenpanzers von ausgewachsenen Landschildkröten liegt zwischen ca. 10cm bei Ägyptischen Landschildkröten bis zu 40cm bei Breitrandschildkröten. Die Rückenpanzer sind leicht elliptisch geformt und meistens zweifarbig - von gelblich bis leicht orangefarben, bräunlichen oder olivgrünen Farbton.

Die Schildkröten besitzen einen einzigartigen Rücken- (Carapax) und Brustpanzer (Plastron), der durch eine Knochen- oder Knorpelbrücke miteinander verbunden ist. Der Panzer besteht in der untersten Schicht aus massiven Knochenplatten, die sich durch Verschmelzung von Wirbelsäule, Rippen, Schulter- und Beckengürtel gebildet haben. Dieser weitgehend starre Knochenpanzer erfordert eine Anpassung der Atmung, die durch Bewegungen der Extremitäten unterstützt werden muss. Über dem Knochenpanzer befindet sich eine Hautschicht, die auf der Haut die typischen Hornschilde aus Keratin bilden.

Diese Schilde lassen sich in Gruppen einteilen, wobei entsprechend der Schildkrötenarten Abweichungen anzutreffen sind. Auf dem Rücken/Carapax von innen nach außen:

  • Wirbelsäulenschilde
  • 8 Seitenschilde
  • 24 Randschilde, wobei hier manchmal die hinteren beiden Schilde zu einem Schwanzschild verbunden sind,
  • 1 Nackenschild

Auf dem Brustpanzer/Plastron von vorne nach hinten:

  • 2 Kehlschilde
  • 2 Schulterschilde
  • 2 Brustschilde
  • 2 Bauchschilde
  • 2 Hüftschilde
  • 2 Analschilde

Die Nahtstellen von Horn- und Knochenpanzer sind gegeneinander verschoben. Dadurch erhöht sich die Festigkeit des Panzers.

Schildkröten können sehr gut sehen. Sie können Farben sogar besser differenzieren als Menschen, da ihre Augen wie bei allen Reptilien vier verschiedene Farbrezeptoren aufweisen. Die Geschwindigkeit von visuell wahrgenommenen Bewegungen hat Einfluss auf die Fluchtreaktion. Nähert man sich einer Schildkröte sehr langsam, flüchtet sie später als bei schneller Annäherung.

Der Geruchssinn ist besonders stark ausgeprägt. Die Geruchsrezeptoren befinden sich im Rachenraum. Durch den Geruch erkennen sie Nahrung oder die Erde, in der sie ihre Eier vergraben können. Außerdem werden Geschlechtspartner am Geruch erkannt.

Schildkröten haben ein voll ausgebildetes Innen- und Mittelohr. Da sie aber kein Außenohr besitzen, hören sie Töne nicht im gleichen Umfang wie wir Menschen. Sie nehmen Schallwellen wahr, vor allem tiefe Vibrationen (Trittschall) aus ihrer Umgebung. Schildkröten können sich in ihren Fähigkeiten mit allen anderen Reptilien messen. Sie merken sich Futterquellen und Fluchtwege und ihr Orientierungssinn ist hervorragend ausgeprägt. Weitere gut entwickelte Sinnesleistungen sind Schmerzempfindung, Temperatursinn und Gleichgewichtssinn.

Schildkröten sind meist stumm. Es gibt jedoch Ausnahmen, z. B. Schreckreaktionen: Hier stoßen sie durch schnelles Zurückziehen des Kopfes Luft aus, was einen fauchenden Zischlaut erzeugt. Die Männchen geben bei der Paarung piepsende Töne von sich, sowie auch die Weibchen, beim gelegentlichen Kampf mit anderen Weibchen um die besten Eiablageplätze.

Schildkröten bewegen sich an Land, selten auch im Wasser. Die Beine von Schildkröten sind säulenförmig und ringsherum gegen Verletzung und Austrocknung durch starke Hornschuppen geschützt.

Sie besitzen keine Zähne, sondern kräftige, zu Schneidewerkzeugen umgewandelte Kieferleisten. Wie alle Reptilien kauen Schildkröten ihre Nahrung nicht, sondern verschlingen sie entweder unzerkleinert oder reißen mit dem Schnabel Stücke ab, wobei sie die vorderen Gliedmaßen zu Hilfe nehmen.

Für das Knochenskelett brauchen Schildkröten calciumreiche Nahrung. Meist ist die Nahrung sehr abwechslungsreich, denn die Tiere sind bei der Suche nach Fressbarem wenig wählerisch. Je nach Art fressen sie Wiesenkräutern, Blüten und Früchte. Manchmal beobachtet man auch, wie sie Insekten und Würmer verspeisen.

Bei den Geschlechtsunterschieden stellt man fest, dass sich die Ausscheidungsöffnung in der Schwanzwurzel des Weibchens, die Kloake, näher am Panzerrand befindet, die des Männchens dagegen eher zum Schwanzende hin liegt. Der Schwanz ist beim Männchen meist auch deutlich länger und am Ansatz breiter, da er den Penis beherbergt, der nur zur Begattung ausgestülpt wird. Weitere Geschlechtsunterschiede sind die Körpergröße und ein stärker konkav geformter Bauchpanzer bei den Männchen, was die Kopulation erleichtert.

Die Geschlechtsmerkmale sind bei den Babys noch nicht zu erkennen, sondern werden erst im Vorfeld der Geschlechtsreife ausgebildet. Bis zur Geschlechtsreife vergehen mehrere Jahre. Sie ist hierbei nicht nur vom Alter, sondern auch von der Ernährungslage des Tieres abhängig. Bei einigen Arten wird das Geschlecht nicht bei der Befruchtung festgelegt, sondern erst durch die Bruttemperatur bestimmt. In bestimmten Temperaturbereichen schlüpfen überwiegend ausschließlich Weibchen bzw. Männchen.

Schildkröten können ein sehr hohes Alter erreichen. Der sparsame Umgang mit Energie ist der Grund, weshalb Landschildkröten ein hohes Lebensalter erreichen können. Bei den wechselwarmen Landschildkröten laufen die Lebensvorgänge in manchen Perioden verlangsamt ab, durch die Temperaturabsenkung in der Nacht, bei Schlechtwetter und während der Winterstarre. Sie können deshalb unter günstigen Umständen über 100 Jahre leben.

Alle europäischen Landschildkröten sind in ihren Heimatländern im Bestand bedroht. Die Weltnaturschutzunion stuft den Gesamtbestand der Landschildkröten als „stark gefährdet“ ein. 

In Gefangenschaft nachgezogene Tiere unterliegen einer behördlichen Meldepflicht und brauchen für die Weitergabe an andere Halter Vermarktungsgenehmigungen. Hierzu lesen Sie bitte mehr unter unseren Punkt "Artenschutz - "BArtSchV".

Landschildkröten werden seit Jahrtausenden vom Menschen genutzt, als Nahrungsquelle, der Panzer als Gebrauchsgegenstand und Schmuckobjekt, das lebende Tier als Kinderspielzeug. Die heutige Nutzung dieser Tiere, auch in den Heimatländern, wird durch das Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen weitgehend auf die Haltung von Nachkommen der einstigen Wildfänge beschränkt. In unseren Breiten stellt die Landschildkröte relativ hohe Ansprüche an die Haltung, ist sie doch ein Tier, dessen Lebensvorgänge durch die hohe Lichtintensität und Sonnenwärme im Mittelmeergebiet gesteuert werden.

Zur artgerechten Haltung benötigt man ein großes, vollsonniges Freigehege im Garten mit einigen Schattenplätzen unter Büschen und freiem Zugang zu einem heizbaren Frühbeet/Gewächshaus für kalte Nächte oder für Schlechtwetterperioden. Die Ernährung muss sparsam mit rohfaserreichen Wiesenkräutern, zum Beispiel Löwenzahn und Gänsedisteln, Klee, Luzerne und Vogelwicke, Acker- oder Zaunwinde und vielen weiteren Wildkräutern erfolgen. Für frisches Trinkwasser und ausreichende Kalkzufuhr für ein gesundes Panzerwachstum ist ebenfalls zu sorgen, etwa durch gestoßene Eierschalen, Sepiaschalen oder Muschelgrit (zerstoßene Muschelschale).

Nicht gefüttert werden sollten alle tierischen Produkte, Obst, Gemüse und kommerzielles Schildkrötenfutter. Deren meist zu hoher Nährstoffgehalt und ihre unnatürliche Zusammensetzung können in Gefangenschaft zu lebensbedrohlichen Stoffwechsel- und Knochenerkrankungen führen.

Aus dem ehemaligen Kinderspielzeug ist hier in Deutschland aber inzwischen ein ernsthaftes Hobby geworden, dem wir uns nur anschließen können.

Schildkröten gelten als Symbol für Weisheit, Stärke, Stabilität, Güte und Geduld sowie ewiges Leben.

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